Wie gewonnen, so zerronnen ...

König Hans mit seinem Findelkind im Arm.

... dachte König Hans, genannt der Glückliche. Es war der 50. Krönungstag. König Hans hatte eigentlich vorgehabt, dieses Jubiläum damit zu begehen Versäumtes nachzuholen. Er befand sich deshalb auf dem Weg zu seiner alten Schule um endlich sein Abiturzeugnis einzufordern, als ihm mitten auf der Straße das Findelkind in den Arm gelegt wurde.

Er konnte sich später nicht mehr daran erinnern, wer ihm den kleinen, leise weinenden, vielleicht zwei Jahre alten Knaben hoch gereicht hatte. Es war ein spätsommerlicher, von milder Sonne erhellter Tag, aber hinter den Schaufenstern der Geschäfte begann es zu regnen. Die Bibeln und Traktate in der kleinen christlichen Buchhandlung quollen auf und auf den bunten Heiligenbildern verlief die Farbe, während der entrückte Blick der Märtyrer und das Lächeln der Päpste wellig wurde.

Von dem Kleinen erfuhr König Hans nur, dass er zusammen mit seiner Mutter mit dem Zug in die Stadt gefahren sei, und so beschloß er ihn im nächstgelegenen Kindergarten abzugeben. Doch als ihn dann der Briefträger an diesem frühen Sonntagmorgen um kurz vor acht aus dem Bett klingelte, um eine wichtige Depesche auszuliefern, schoss König Hans zum wiederholten Mal der Gedanke durch den Kopf auf Reich und Krone zu pfeifen und feierlich abzudanken.

Ein Traktat im Schaufenster.